Eine Krippe aus 426 Figuren – Warten auf das Christkind einmal anders!

Die Augen wandern am Wohnmobil am See vorbei, an der Tierklinik, an der Mutter, die ihren Sohn im Rollstuhl durch die Straße schiebt, und an der Jahrmarktbude. Direkt dahinter bleibt der Blick hängen: Da ist er, der Stall mit dem Strohdach und einer – noch leeren – Krippe. Dass das zentrale Geschehen nur mühsam zwischen den 426 Playmobil-Figuren auszumachen ist, hat seinen Grund. „Damals, vor mehr als 2000 Jahren, ist auch schon jede Menge um die Geburt Jesu herum passiert. Das hat längst nicht jeder mitbekommen“, sagt Schülerin Lena Stauvermann. Und genau das möchte die Klasse 8a der Bischöflichen Realschule in Warendorf mit ihrer Krippenlandschaft aus Playmobil abbilden.

Erst knapp vier Wochen ist es her, dass Schulseelsorger Jens Hagemann und Hendrik Kempe die Idee dazu hatte: „Wir haben jedes Jahre eine Krippe hier in der Schule, aber in diesem Jahr wollten wir der ganzen Schulgemeinschaft die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen“, erklären sie. Inspiriert von einer ähnlichen Playmobil-Krippe in der Heilig-Kreuz-Kirche in Münster vor vier Jahren, traten der Schulseelsorger und der Klassenlehrer an die 8a heran. Die Mädchen und Jungen waren sofort begeistert – ein echtes Klassenprojekt. „Es musste alles recht schnell gehen“, berichtet Maresa Meiners, weshalb im Einverständnis auch die ein oder andere Pause geopfert worden sei. „Wir haben die Klasse in mehrere Gruppen eingeteilt, die sich um die Figuren, die Bühnenlandschaft, die Technik, die Kulisse und die Öffentlichkeitsarbeit gekümmert haben.“

Letztere musste am schnellsten ihren Dienst aufnehmen, erinnert sich Lara-Sophie Hölscher: „Mit einer Lautsprecherdurchsage haben wir das Projekt in der Schule vorgestellt und alle aufgerufen, ihre Playmobilfiguren mitzubringen.“ Flyer wurden entworfen und in den Klassen verteilt, „damit sich jeder nochmal in Ruhe informieren konnte“, ergänzt die 13-Jährige. Zusammen gekommen sind weit über 400 Figuren, die gelistet, markiert und sortiert werden mussten.

Nachdem Standort, Bühnenelement und Beleuchtung dank der Unterstützung von Hausmeister Rainer Bexte organisiert waren, war schließlich die Kreativität der Jugendlichen gefragt. Es galt die Leihgaben der Schüler wie den Ponyhof, das Gefängnis, das Försterhaus, die Eisenbahn, Kutschen und vieles mehr mit Leben zu füllen. Entstanden sind reale, aber auch verrückte Szenen, weiß Leonie Voßmann: „Da liegen Menschen am Strand in der Sonne oder trainieren die Pferde auf der Koppel und gleichzeitig macht eine Frau einen Handstand auf einem Elch und ein Neandertaler schaut halb unter einem Berg von Steinen hervor“, erzählt die 13-Jährige. Und mittendrin Maria und Josef auf dem Weg zur Krippe, die Heiligen Drei Könige im Gespräch mit Polizisten und immer wieder Engel. Besonders stolz sind die Schülerinnen und Schüler auf den Fantasy-Flashmob, an dem sich Ritter, Prinzessinnen und auch Albert Einstein beteiligen – eben alle Figuren, die sonst keinen Platz in der Krippenlandschaft gefunden hätten.

Schulseelsorger Hagemann freut sich über den Einsatz der Schüler: „Sie haben eine bunte Welt erschaffen, mit allem, was es heute gibt. Und in diese Welt hinein wird Jesus geboren.“ Bereits in den ersten Tagen sei das Interesse der Schulgemeinschaft an der Krippe enorm gewesen. „Es ist unglaublich, wie viele Schüler und Lehrer täglich davor stehen, ihre Figuren suchen und die einzelnen Szenen entdecken“, berichtet er. Dabei soll es nicht bleiben: Als Standort haben die Schüler den Lichthof gewählt, einen Ort, der auch von außen, von der Von-Ketteler-Straße aus, zu sehen ist. Bis nach den Weihnachtsferien wird die Krippenlandschaft täglich von 16 bis 21 Uhr angestrahlt.

Ann-Christin Ladermann, Bischöfliche Pressestelle

2018-12-19T11:48:49+00:00 19. Dezember 2018|